Ysselsteyn 2026: Der Wochenbericht
Ysselsteyn am Sonntag, 18.05.2026:
Um halb 8 startete die Mission Ysselsteyn 2026: 22 motivierte Schüler:innen sowie die Arbeitsgruppe SLG und die begleitenden Lehrkräfte machten sich auf zu diesem außerschulischen und außergewöhnlichen Lernort: die vom Volksbund betreute größte Kriegsgräberstätte Europas kurz hinter der deutsch-niederländischen Grenze. Wir können zwar die Geschichte unterrichten, aber Geschichte(n) erlebbar zu machen, funktioniert an diesem Ort so viel besser. Schon die erste Begehung führte zur Begegnung mit der friedlichen Stille des Ortes, machte aber auch die überwältigende Anzahl an Schicksalen bewusst. Bis Freitag werden wir in dieser von Erasmus+ geförderten Reise die Geschichte auf uns wirken lassen, dabei auch versuchen, die niederländische Perspektive durch die Kooperation mit dem Roercollege einzunehmen und uns für die Vergangenheit zu sensibilisieren.
Ysselsteyn am Montag, 19.05.2026:
Der Tag startete heute mit einer Führung über das Gelände der Kriegsgräberstätte durch Jan, der uns mit einzelnen Schicksalsberichten über die Personen hinter den Namen nachhaltig berühren konnte. Im Anschluss bot uns das Jugendangebot des Volksbundes einen Escape Room und ein Action Bound, durch die wir alle in die Geschichten eintauchten. In den freien Zwischenzeiten ließen wir in Spaziergängen über den Friedhof, teils allein, teils in Grüppchen, Namen und Lebensdaten auf uns wirken – erschütternd, dass der jüngste Begrabene erst einen Tag alt war. Schließlich entstanden kleine kreative Texte als Ventil für die vielen Eindrücke – und die gemeinsame Dinnete-Backaktion war ein gelungener Abschluss dieses Tages, an dem wir außerdem noch Kontakt aufbauten zum Roercollege, dessen Kollege Sander wir gern hier zitieren: „Es ist die Kraft dieses Ortes, dass man sieht und fühlt, was der Effekt von Krieg ist.“
Ysselsteyn am Dienstag, 19.05.2026:
„Dass Sie nachdenken, ist unsere Absicht in diesem Museum. Benutzen Sie Ihr Gehirn. Und Sie sollen die Geschichte neu machen. In den Zeitungen und in der Gesellschaft sehen wir heute ähnliches wie damals. Und das macht Sorge.“ Mit diesen Worten startete unser Guide seine Führung durch das sehr interessante Freiheitsmuseum. Die ausgestellten Exponate und Informationen beeindruckten uns alle, und die Simulation eines Fliegeralarms in einem nachgestellten Luftschutzbunker ließ spüren, wie schrecklich Kriegserfahrungen sein müssen. Spüren konnten wir das auch im Anschluss im wenigen Kilometer entfernten kanadischen Soldatenfriedhof. Eine Inschrift im Grab eines 19-jährigen Allierten lautete: „He gave his life to help war cease that you and I can live in peace“ – Es macht nachdenklich, dass Menschen mit dem Wunsch und Willen vom anderen Ende der Welt kamem, um hier wieder Frieden herzustellen, die vielen Gräber uns dann aber doch zeigen, dass Krieg auf allen Seiten in Leid, Verlust und Tod endet. In der Stadt Nijmagen, ganz nah an der Grenze zu Deutschland, erinnert noch vieles an die Befreiung von Nazi-Deutschland. Dort beendeten wir trotz des geschichtsschweren Programms den Tag mit einer fröhlichen und leckeren Fahrt auf dem Pfannkuchenboot.
Ysselsteyn am Mittwoch, 20.05.2026:
„Dass man seine Geschichte annimmt, wie sie ist und nicht, wie man sie haben will und die Bereitschaft zur Versöhnung zeigt, ist die Voraussetzung für dauerhaften Frieden.“ Diese Begrüßungsworte von Generalinspekteur der Bundeswehr a.D. und Präsident des Volksbundes Wolfgang Schneiderhan zeigten am Morgen die Verknüpfung von früher und heute und in seiner Person zeigt sich auch die Verknüpfung von Bad Saulgau (dort kommt er nämlich her) und unserem begleitenden Thema: Erinnerungen nutzen, Vergessen verhindern, Frieden sichern. Mit einzelnen Lebensgeschichten an den Gräbern bereiteten die WG-Schüler:innen sich auf den Vormittag mit kreativen Projekten und Schreibaufgaben vor Am Mittag ging die Fahrt noch ins Camp Vught, auf Deutsch auch KZ Herzogenbusch, wo am Ende besonders eindrücklich die Frage erschütterte, ab wann man als Mensch alt genug ist, um ermordet zu werden. Der Wunsch nach Frieden für immer und für alle wächst auf dieser Reise mit jedem Tag.
Roermond am Donnerstag, 21.05.2026:
Wir wurden herzlich und sehr gastfreundlich von unserer (künftigen) Partnerschule, dem Roercollege in Roermond, empfangen. Unser Kontaktlehrer Sander van Straeten gestaltete die gemeinsamen Unterrichtsstunden mit niederländischen Schüler:innen eloquent und kompetent. Er führte uns in das niederländische Schulsystem ein, erläuterte anhand von Stereotypen die niederländische Kultur und machte uns dabei klar, dass wir in der Provinz Limburg und nicht in Holland sind.
Anschließend gab er uns eine sehr informative und interessante Stadtführung durch das wunderschöne Städtchen Roermond, das uns mit seiner beeindruckenden Altstadt, seinen Brücken und Parks imponierte.
Der abschließende Reflexionskreis mit Volksbund-Präsident Wolfgang Schneiderhan zeigte, dass der außerschulische Lernort Kriegsgräberstätte Ysselsteyn das leisten kann, was im Unterricht kaum möglich ist: Einen emotionalen Zugang zur Geschichte und zum so schwierigen Thema Krieg! Die Begegnung mit den Gräbern hat uns nachdenklich, hat uns demütig gemacht. Wir haben verstanden – auch, dass vieles nicht zu verstehen ist!
Und: Es ist auch 2026 ein Kunstwerk entstanden, lasst Euch überraschen, wie wir unsere Erkenntnisse kreativ verarbeiten konnten.
Es ist klar: Wir, das Kreisberufsschulzentrum Bad Saulgau, kommen wieder.

